„Verantwortungsbewusste Gastgeber und Urlauber“.
Kroatien hat entschlossen auf das Coronavirus reagiert und steht heute besser da als einige Nachbarn. Nun gilt alle Kraft der Sommersaison.
Als Kroatien Anfang des Jahres die EU-Ratspräsidentschaft übernahm, hatte das Land mit seinen vier Millionen Einwohnern viele Pläne. Der Kampf gegen eine globale Seuche gehörte nicht dazu. Tatsächlich hat Kroatien das Coronavirus aber besser im Griff als viele andere. Im Videocall mit WELT sagt Premierminister Andrej Plenković, wie er das nutzen will. 
VON CAROLINE TURZER
WELT: Herr Premierminister, Kroatien hat rund 2200 Corona-Infizierte und etwa 90 Todesfälle, obwohl es nur ein paar Kilometer nach Norditalien sind, wo Covid-19 Tausende Opfer forderte. Hat Italien etwas falsch gemacht oder hatten Sie Glück?

ANDREJ PLENKOVIĆ: Wir haben die Entwicklung in China ab dem 8. Januar ganz genau verfolgt. Bereits Ende Januar beim Weltwirtschaftsforum in Davos habe ich WHO-Generalsekretär Tedros Adhanom Ghebreyesus gesprochen, und schon da war mir klar, dass das sehr gefährlich werden könnte. Nachdem wir alle Daten zusammenhatten, haben wir sofort den entsprechenden EU-Mechanismus zur Krisenreaktion aktiviert und in unserem Land strikte Maßnahmen ergriffen, um die Ausbreitung des Virus einzudämmen. Wir haben alles, was wir taten, klar an die Bevölkerung kommuniziert.

Und die Bevölkerung hat sich an die Maßnahmen gehalten?
Ja. Das hat mich sehr gefreut. Ich bin beeindruckt, weil unsere Mentalität ja eigentlich mediterran geprägt ist. In der Pandemie haben wir uns aber eher wie Nordeuropäer verhalten. Zum Erfolg beigetragen hat sicher auch, dass unser Institut für öffentliches Gesundheitswesen eine lange Tradition hat und bereits seit 71 Jahren besteht. Der Gründer dieses Instituts in Kroatien war auch einer der Begründer der WHO. Und die erste Quarantäne der Geschichte wurde bereits im 14. Jahrhundert in Dubrovnik eingeführt.

Nun befinden wir uns ja aber im 21. Jahrhundert, in einer globalisierten Welt. Wie wollen Sie eine zweite Infektionswelle verhindern?
Wir fahren derzeit eine Strategie der graduellen Rückkehr in eine neue Normalität, die in mehreren Phasen vollzogen wird. Stufenweise öffnen wir unsere Einkaufszentren, Restaurants, Cafés, Schulen und auch unsere Grenzen, zunächst für Geschäftsreisende. Unser Appell an die Bevölkerung lautet nicht mehr „Bleibt zu Hause“, sondern „Übernehmt Verantwortung“. Derzeit testen wir zum Beispiel neue Regeln für Cafés und Restaurants. Wir beobachten, wie das in der Praxis funktioniert. Und ich bin mir sicher, dass wir noch vor Beginnder Sommersaison viele gute praktische Erfahrungen sammeln werden.

Sommersaison ist das Stichwort. Normalerweise liegen Urlauber dicht gedrängt an den Adriastränden. Wie soll das denn dieses Jahr werden?
Wir sind hoffnungsvoll. Wir erwarten natürlich nicht die gleiche Anzahl von Touristen wie in den vergangenen Jahren. Die letzten zwei Jahre waren Rekordsaisons: Allein im Jahr 2019 haben 20 Millionen Touristen unser Land besucht, die meisten aus EU-Staaten. Unsere Hotels, Ferienunterkünfte und unsere Strände sind auch in diesem Jahr gut vorbereitet. Sie warten nur noch auf den Startschuss, jedoch in einem neuen epidemiologischen Kontext.

Manchem erscheinen die Corona-Zahlen in Ihrem Land fast schon verdächtig niedrig. Wie können Urlauber sicher sein, dass es keine hohe Dunkelziffer gibt?
Seit zweieinhalb Monaten leben wir jetzt mit der Epidemie. Wir haben 2200 Infizierte registriert. Wären es mehr gewesen, hätten wir das inzwischen gemerkt, nach all den Maßnahmen, die wir ergriffen haben. Unsere Testlabore, unsere Krankenhäuser hätten es gemerkt, weil unser gesamtes Gesundheitssystem in höchster Alarmbereitschaft war. Ich denke, dass unsere stabilen Ergebnisse zeigen, dass wir die Epidemie auf das kleinstmögliche Risiko reduziert haben.

Aber nun gehen Sie doch das Risiko ein, das Virus zu reimportieren.
Genau deshalb war mein wichtigstes Anliegen und auch das der EU-Kommission, dass wir zu einer Annäherung der epidemiologischen Situation kommen. Das Virus hat bewiesen, dass es ein sehr gefährlicher Gegner ist. Deshalb müssen wir uns auf die Glaubwürdigkeit der Daten und das verantwortliche Verhalten derjenigen verlassen, die über die Grenze in ein anderes Land einreisen. Wir brauchen nicht nur verantwortungsbewusste Gastgeber, sondern auch verantwortungsbewusste Touristen. Ich glaube, wenn die Menschen sich weise verhalten, können sie das Risiko begrenzen. Wir müssen alle nur etwas vorsichtiger sein.

Werden Sie ein Testregime einführen, um sicherzugehen? Oder hoffen Sie einfach, dass sich die Besucher vernünftig verhalten?
Wir haben vorgesehen, Personen mit Atemwegssymptomen zu testen und Kontakte nachzuverfolgen. Darüber hinaus werden wir die Entwicklung der epidemiologischen Lage weiterhin genau verfolgen und Risikogruppen testen, sollten neue Infektionen eintreten.

Von der Krise besonders hart getroffene Länder wie Italien oder Spanien zählen auf die EU. Kroatien nicht?
Wir teilen auf europäischer Ebene alle die gleiche Ansicht. Nun müssen wir uns den mehrjährigen europäischen Finanzrahmen und den umfassenden europäischen Erholungsplan vornehmen. Unser gemeinsames Ziel ist es, dass diese Dokumente an die neue Situation angepasst werden. Ein paar Monate zuvor dachten wir noch, dass das Leitmotiv, die Toppriorität der Kommission von Ursula von der Leyen der „Green Deal“ sein würde. Nun werden wir das fünfjährige Mandat der neuen Kommission für den wirtschaftlichen Aufschwung Europas nutzen müssen. Die kroatische Regierung hat als Reaktion auf die Krise prompt ausgiebige Maßnahmen beschlossen, um die Wirtschaft zu unterstützen und Arbeitsplätze zu retten. Ich erinnere mich noch daran, wie wir im Oktober, als wir uns für das Motto der kroatischen Ratspräsidentschaft entschieden, überlegt haben: „Ein starkes Europa in einer Welt voller Herausforderungen“ – was heißt das? Wir dachten an den externen Druck auf Europa oder interne Herausforderungen wie den Populismus und antieuropäische Stimmungen. Aber niemand hatte an eine Pandemie
solcher Ausmaße gedacht. Ich selbst hätte es nie für möglich gehalten, dass unsere Ratspräsidentschaft die ungewöhnlichste überhaupt werden würde.

Haben Sie denn überhaupt etwas von dem umgesetzt, was sie sich zu Beginn Ihrer Präsidentschaft vorgenommen haben?
Natürlich. Wir wollten einen geordneten Brexit, das haben wir erreicht. Und im März haben wir etwas durchgesetzt, was vor einem halben Jahr noch unmöglich erschien: Die Eröffnung der Beitrittsverhandlungen mit Nordmazedonien und Albanien. Mit politischem und diplomatischem Einsatz haben wir da die Einstellung einiger ziemlich einflussreicher Mitgliedstaaten verändert. Das wird ein historischer Verdienst der Kroaten für ihre Nachbarn sein. Im April gab es natürlich kaum ein anderes Thema als Covid-19. Aber im Mai haben
wir es trotzdem geschafft, dass der sogenannte Zagreb-Gipfel als Videokonferenz stattfinden konnte, das Treffen der Westbalkan-Staaten mit der EU.

Mit wenig konkreten Ergebnissen.Ich will ehrlich mit Ihnen sein. Wir hatten zwei große Entscheidungen zu treffen: die Aufnahme der Beitrittsgespräche mit Nordmazedonien und Albanien. Und ein großes Corona-Hilfspaket der EU-Kommission. Ansonsten bin ich zufrieden, dass der Gipfel stattgefunden hat, die Erklärung steht und dass die Tür der EU für alle Staaten des Westbalkans weiter grundsätzlich offensteht. Ob man jetzt von „Erweiterung“ oder „europäischer Perspektive“ spricht, das ist Wortklauberei.

Sie sagen es. Endlich gibt es ein Milliarden-Paket der EU für den Balkan. Zu Beginn der Corona-Krise hatte Serbiens Präsident noch die chinesische Flagge hissen lassen, als Hilfslieferungen von dort kamen.
Zu Beginn der Pandemie befanden wir uns alle in der gleichen Situation: Wir benötigten medizinische Ausrüstung in unvorstellbarem Ausmaß, und es gab einfach nichts. Weder zu Hause noch in Europa. Also mussten wir uns alle mehr oder weniger China zuwenden, weil hier ein großer Teil der Produktion stattfindet. Da war China natürlich sehr nützlich und sichtbar. Zugleich hat die EU aber auch ein großes Maß an Unterstützung bereitgestellt. Es hat etwas gedauert, bis die Hilfe geflossen ist, aber niemand kann sagen, dass Europa nicht geholfen
hat. Hinzu kommt: Der einzige Weg, um der Pandemie entgegenzuwirken und unsere Bürger zu schützen, war, die Bewegungsfreiheit einzuschränken. Damit haben wir uns alle unwohl gefühlt, weil eine der vier Grundfreiheiten
der Europäischen Union betroffen war. Es war dennoch eine vernünftige Reaktion, die alle gleichermaßen getroffen haben. Die kroatische Ratspräsidentschaft hat die EU-weiten Maßnahmen durch zahlreiche Videokonferenzen der zuständigen EU-Minister koordiniert. Zudem hat Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen letzte Woche eine erfolgreiche internationale Geberkonferenz für Arzneimittel und Impfstoffe einberufen. Daher akzeptiere ich keine Aussagen, die behaupten, dass Europa nicht gut reagiert hat. Europa hat getan, was es tun konnte, um seine Bürger zu schützen.

Ist der Vormarsch von China und Russland auf dem Balkan überhaupt noch aufzuhalten?
Meine Position ist hier ganz klar: Je langsamer, zögerlicher, reservierter die EU ist, desto mehr politischer, ökonomischer, diplomatischer, kultureller Einfluss wird anderen großen Mächten überlassen. Und sie werden nicht zögern, das zu nutzen. Schauen Sie auf die Karte. Die sechs Länder des Westbalkans sind umgeben von Kroatien, Ungarn, Rumänien, Bulgarien und Griechenland. Diesen Staaten müssen sie sich annähern und am Ende der EU beitreten. Hier muss ich Bundeskanzlerin Merkel meine höchste Anerkennung aussprechen. Sie hat 2014 persönlich den sogenannten Berlin-Prozess initiiert und darauf bestanden, einen Dialog auf höchster Ebene mit den Ländern
des Westbalkans zu führen. Damit hat sie eine große Leere überbrückt. Kroatien pflegt ausgesprochen gute Beziehungen mit Deutschland.

Was meinen Sie mit Leere?
Wir Kroaten erinnern uns noch an den letzten Balkan-Gipfel in Zagreb im Jahr 2000, danach gab es den Gipfel in Thessaloniki 2003 – und dann lange nichts bis zum Gipfel von Sofia 2018. In dieser Zeit ist nur Kroatien auf die andere Seite des Tisches gewechselt und hat nun die Ratspräsidentschaft inne. Deshalb war der Gipfel in diesem Jahr für uns so wichtig: politisch und als Symbol. Um den anderen Ländern der Region zu sagen: Wir haben euch nicht vergessen, wir sind an eurer Seite, wir helfen euch – gegen die Pandemie, bei der wirtschaftlichen Entwicklung und mit einer europäischen Perspektive. Wir haben aber auch nicht vergessen, ihnen klar zu signalisieren, dass sie als Bedingung dafür die europäischen Standards erfüllen müssen.  

Andrej Plenković ist seit 2016 Premierminister Kroatiens. Seit Beginn des Jahres hat sein Land die Ratspräsidentschaft der EU inne und übergibt Ende Juni an Deutschland.

...Premijer Plenković za Die Welt izrazio nadu da će sezona biti uspješna.

Predsjednik Vlade Andrej Plenković izrazio je nadu da će ove godine turistička sezona ipak biti uspješna, nakon što je Zagreb dobro odgovorio na krizu vezanu uz pandemiju koronavirusa s relativno malim brojem zaraženih, u intervjuu za dnevnik Die Welt.

Trenutno se Hrvatska, kako je rekao za broj od ponedjeljka tog njemačkog lista, nalazi u fazi u kojoj testira mjere postupnog ukidanja restrikcija u ugostiteljstvu.

"Mi trenutno promatramo kako to u praksi funkcionira. I siguran sam da ćemo još uoči ljetne sezone sakupiti mnoga dobra praktična iskustva", rekao je premijer.

On je izrazio uvjerenje da broj novozaraženih neće porasti tijekom ljeta, ako se svi i dalje budu pridržavali mjera, te izrazio nadu da će ova sezona biti uspješna. Dodao je kako se ipak ne očekuje isti broj turista kao prošle godine.

Objašnjavajući relativno niski broj zaraza u Hrvatskoj, istaknuo je kako je Hrvatska pomno pratila razvoj u Kini još od 8. siječnja. "I krajem istog mjeseca sam na rubu Svjetskog gospodarskog foruma u Davosu razgovarao s predsjednikom Svjetske zdravstvene organizacije i već mi je tada bilo jasno da to može biti opasno", kazao je premijer.

On je zaključio kako su sve mjere protiv širenja koronavirusa bile "jasno komunicirane" prema građanima, ali je dodao kako zasluga leži i na građanima koji su se pridržavali uputa.

"Ja sam impresioniran jer je naš mentalitet zapravo mediteranski. No tijekom pandemije smo se više ponašali kao sjeverni Europljani", primijetio je Plenković koji je ukazao i na dugu tradiciju zdravstva u Hrvatskoj.

Otvaranje pregovora s Albanijom i Sjevernom Makedonijom povijesna zasluga Hrvatske

Plenković je naglasio kako je hrvatsko predsjedanje EU-om zbog pandemije proteklo drugačije od očekivanog ali i da su postignuti neki rezultati od kojih je istaknuo otvaranje pristupnih pregovora o članstvu s Albanijom i Sjevernom Makedonijom.

"Političkim i diplomatskim naporima smo promijenili stav nekih prilično utjecajnih članica. To će ući u sjećanje kao povijesna zasluga Hrvatske za svoje susjede", rekao je Plenković.

On je također zaključio kako Europska unija mora održati svoju prisutnost u regiji kako ona ne bi pala pod utjecaj drugih sila...

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